Ein Bericht von Jörg Zehetner, Viszeralchirurg in Bern (Swiss1Chirurgie), Hobby-Triathlet
Liebe 3athlon Freunde!
Der JFM fand am 9. September 2023 bei schönstem Wetter statt. Das Oberland präsentierte sich von seiner besten Seite, mehr als 4000 lauffreudige Marathon- und Trail-Runner haben sich angemeldet, 3000 davon für den schönsten 42 km Marathon bzw. Berglauf der Schweiz über die volle Distanz.
Nach meiner ersten Teilnahme 2021, damals knapp 3 Wochen nach meiner 2. Inferno Triathlon Teilnahme, war ich diesmal hoch motiviert unter 5 Stunden zu laufen.
Warum? 2021 war ich mit 5 Std. 1 Min. im Ziel. Ich hatte nach dem erfolgreichen PB (Personal Best) am Inferno Triathlon 2021 (4. Platz in meiner AK!) einzig die Motivation den JFM zu beenden, ohne konkretes Ziel. Und siehe da, schlussendlich war ich nicht ganz zufrieden, weil knapp über 5 Stunden.
Die Vorgeschichte
In meiner Vorbereitung war ein langer Trailrun, der Genusstrail am diesjährigen Inferno Event 2023, ein 30 km Lauf mit 3200 m Elevation geplant – ein toller Lauf. Mehr dazu in separatem Blog.
Ich war aber 18 Min. schneller als Rob, mein Freund aus Basel, er ist Engländer. 18 Min. und das obwohl er ein viel schnellerer Läufer ist – am JFM 2021 war er 20 Min. schneller als ich.
Der JFM war also der finale Showdown unserer Saison.
“Ende der Freundschaft – the race is on. See you at the finish line.”
8:30 Uhr Start in Interlaken
Vor dem Start waren wir beide relaxt nebeneinander in der Startzone, in der Nähe des 4 Std. 30 Min. Pacers. Ich wusste gleich, Rob ist hoch motiviert, und ich muss wahrscheinlich weit über meine Grenze gehen.
Gleich nach dem Start zieht Rob das Tempo an, ich bleib im Windschatten, der erste km geht nach 4:30 Min. vorbei, dann wird es schneller, 4:15-4:20 Min./km… Ich bleib dran, nach 10 km aber dann Entscheid etwas langsamer zu gehen, das Tempo ist zu hoch für mich.
Es geht durch Wilderswil, dann Zweilütschinen, und auf einmal seh ich Rob am Wegrand, er hat eine Pinkelpause eingelegt, und wir sind wieder gleichauf bei ca. 15 km. Wir sind in einer schnellen Gruppe, es wird Gas gegeben, wir kommen nach Lauterbrunnen, viele Leute am Wegrand und im Ort. Bei jeder Station nehme ich Isostar, Wasser, wenn möglich Gel, und wieder Wasser. Ich überhole Rob beim Camping Jungfrau, versuche vorne zu bleiben, aber dann entscheide ich mich doch wieder für den Windschatten.
Nach der Kurve in die Wiese werden wir mit den Halbmarathon Läufern vermischt; etwas hektisch und unangenehm, weil hier ein anderer Rhythmus herrscht.
Jetzt gehts nach oben
Dann bei 25 km gehts ab nach oben – ich versuche so lange wie möglich ganz langsam hinauf weiter zu joggen, wechsle dann aber in schnelles Gehen. Ich überhole Rob und versuche nach oben hin einen Vorsprung rauszugehen, bin ca. 2 Kurven vorne.
Bei 28 km wirds flacher, ich versuche zu laufen, plötzlich Krämpfe im rechten Unterschenkel. Ich bin nicht der Einzige, 4-5 andere Läufer hängen am Wegrand und dehnen die Waden…
Rob überholt mich und fragt: Alles ok? Nein, nichts ist ok, und er zieht davon.
Mir ist klar heute geht nix mehr, und versuche durch extrem langsames Joggen die Waden im Wiegeschritt jedes Mal zu dehnen, das geht gut in den Steigungen, und schlecht in den flachen Teilen. Jetzt gehts durch Wengen, so viele Zuschauer, ich kämpfe, muss mich extrem konzentrieren auf meinen Rhythmus.
Rauf nach Allmend, weiter nach Wixi
Ich habe inzwischen Rob wieder eingeholt, musste aber extrem ans Limit gehen, zum Glück geht er langsamer in den Steigungen, und dies lässt immer wieder etwas Erholung zu. Ich schöpfe wieder Hoffnung, kann ich doch schneller als Rob sein?
Sobald die Steigungen abflachen, motiviere ich uns zum Laufen: Rob let’s go, let’s get a great time today. Wir wussten beide wir laufen einer super Zeit entgegen.
Beim Wixi sind wir exakt gleich in der Zeit (im Ranking auf die Zehntel-Sekunde ex-aequo).
Rauf die Blackrock Piste
Nach Wixi bin ich kurz vor Rob, mache aber einen Misstritt, gefolgt von Krämpfen in den Beinen: ich weiss ich bin am Limit, ich kann nicht mehr angreifen. Trotzdem versuche ich Rob auf den Fersen zu bleiben, und kämpfe extrem um mitzuhalten mit seinen riesengrossen Schritten. Es geht rauf, vorbei an Alphorn, Fahnenschwingern, im Gänselauf, links und rechts liegen Läufer mit Krämpfen. Aber ich muss weiter. Das Ziel ist oben. Ich denke: Muss ich langsamer werden, damit kein Blackout auf Blackrock? Der Dudelsack, jetzt gehts nach Schoggi-Stelle flach zum Felsen. Ich weiss flache Strecken heisst Krämpfe, der Zombie-Walk beginnt. Die Distanz zu Rob hat sich auf 5-10 m vergrössert.
Die letzten 300 m und Red Carpet Zombie Walk
Es wird ganz steil, die Schritte von Rob zu gross, ich schaffs nicht hinterher, und der Sohn von Rob taucht am Wegrand auf – ein SuperBoost für Rob, er gibt Vollgas. Mein Tank aber leer, ich versuche mit Stil ins Ziel zu kommen. Kann ich am Red Carpet doch locker raufjoggen? Nein, Zombie Walk und Zähne zusammenbeissen.
Im Ziel mit 4 Std. 36 Min., glücklich über meine super Personal Best (25 Min. schneller als 2021), und kann mich auch schliesslich für Rob freuen. Ja, er war 25 Sekunden schneller. Ist er ja auch. Ich gratuliere ihm. Für Rob die Welt wieder in Ordnung, für mich ein Wahnsinn so knapp überhaupt bei seiner Zeit zu sein.
Es gibt Bier und Linzertorte im Ziel – ich bin übrigens aus Linz, was für ein Zufall.
Mir fällt der Spruch ein:
«Wenn Du Dich mit Gleichen oder Schwächeren misst, kannst Du gewinnen, aber wenn Du Dich mit Besseren und Schnelleren misst, wirst Du eine bessere Zeit haben»