Ein Bericht von Jörg Zehetner, Viszeralchirurg in Bern (Swiss1Chirurgie), Hobby-Triathlet
Liebe 3athlon Freunde!
Der Inferno Genusstrail 2023 fand am 18. August 2023 bei schönstem Wetter statt.
Zum 30. Jubiläum des Inferno Halbmarathons und Inferno Triathlon-Events, schenkt sich der Event selbst einen 30 km Genusstrail, verteilt auf 3200 Höhenmeter mit Ziel auf dem Schilthorn.
Ca. 300 Trail-Runner haben sich angemeldet, und für mich ist der Lauf die ideale Vorbereitung für den Jungfrau-Marathon 3 Wochen später.
Für mich auch ein Déjà-vu. Nach dem Inferno Triathlon 2019 und 2021 über die volle Länge, wollte ich mal sehen, wie die 9 km ab Mürren aufs Schilthorn in besserer Verfassung schneller möglich sind. In besserer Verfassung, weil vorher ja nicht Schwimmen, Rennradfahren und Mountainbiken wie beim Inferno Triathlon.
Der Genusstrail geht von Stechelberg nach hinten ins Tal, später auf 2000m, dann wieder hinunter, dann auf Gimmelwald und erst ab Mürren dann auf der Inferno Original-Strecke hinauf aufs Schilthorn auf 3000 m.
Laufen mit Stöcken
Neu für mich: Durch die steilen Passagen sind bei diesem Lauf Stöcke erlaubt. Somit hatte ich mir ca. 3 Monate davor noch ultraleichte, faltbare Leki Carbon-Stöcke besorgt, und war damit bisher sehr zufrieden. Ich habe das Gefühl das ich mit Stöcken deutlich stabiler, sicherer und kraftsparender bergauf laufen (joggen, gehen) kann.
Mein Kollege, mein Gegner
Vor dem Start treffe ich meinen Kollegen Rob. Er ist Engländer, lebt in Basel und wir kennen uns vom Winter in Grindelwald. Wir verbringen beide die Wochenenden zum Skifahren, und gingen schon gelegentlich im Winter laufen entlang der Langlaufstrecke.
Unsere Kinder kennen sich von den Skirennen – jetzt sind heute die Eltern Konkurrenten.
Auch er hat sich angemeldet als Vorbereitung für den JFM. Seine Trailerfahrung ist enorm: Er hat schon in den letzten Jahren den Eiger-Ultra-Trail Run 50K und 101K absolviert. Also ist er mir lauftechnisch deutlich überlegen. Das «Endurance Level» schätze ich, ist gleich.
8:30 Uhr Start Camping Jungfrau
Am Start treffen wir noch meinen Nachbarn aus Grindelwald, er ist auch immer wieder bei Läufen in der Region dabei.
Die Stimmung ist locker, der Start ohne Stress.
Es geht locker im Tempo 5:15-5:30 Min./km los auf den ersten 1-2 km, dann gehts nach 3 km auf Waldweg bzw. Schotterweg. Der erste Anstieg bringt die Stöcke zum Einsatz, und dann gehts extrem steil hinauf auf 2000 m. Das Panorama ist überwältigend, sodass wir kurz stehen bleiben für ein Foto. Aufgrund des Geländes ist hier Rucksack, Jacke und Telefon (zur Navigation im Notfall) Pflicht.
Nach ca. 2 km auf dieser Höhe geht es steil bergauf, 1000 Höhenmeter wieder hinunter. Die lokalen Läufer überholen uns alle. Rob und ich laufen gemeinsam, keiner kann oder will schneller sein, bergab laufe ich jedoch etwas schneller, und dann rauf nach Gimmelwald lasse ich mich einholen, weil ich weiss das Rob schneller ist.
Zwischenstopp Mürren
Kurz vor Mürren dann ein Einbruch bei beiden, zu wenig getrunken? Es geht durch Mürren, vorbei an Zuschauern; die Labe-Station ist ja gleich nach dem Inferno Staffel Ziel.
Auftanken, Isostar, Gel, Wasser, Isostar… es geht weiter.
Ich sage zu Rob: Let’s go, aber er will das Tempo nicht mitlaufen.
Somit konzentriere ich mich auf meine mir sehr bekannte Strecke hinauf aufs Schilthorn. Die 9 km will ich schneller hinter mich bringen, und freue mich mit den Stöcken in den Händen hier deutlich besser im steilen Gelände vorwärts zu kommen. Das zeigt sich auch, weil hier die Halbmarathon Läufer, die keine Stöcke haben dürfen, deutlich langsamer vorankommen.
Ich geniesse den Trail, versuche Streckenteile zu laufen, welche ich bisher meist gegangen bin.
Die letzten 2 km sind das längste Teilstück…
Ich werde überholt von einem Läufer, dem ich folgen kann, muss mich aber anstrengen – insofern kann ich diesmal schneller laufen als in den Inferno-Rennen. Ich laufe die flachen Teile oben, dadurch kann man viel Zeit gut machen, weil viele hier nur gehen.
Die letzten 2 km sind der Hammer, es wird sehr steil, man geht teilweise auf allen Vieren, kurz vor dem Ziel bei der steilen Stiege, fast wie eine Leiter, bekomme ich Krämpfe, aber ich weiss das Ziel ist nicht mehr weit.
Nach dem Krat und dem spektakulären Blick nach links und rechts in die Tiefe finde ich Reserven und laufe die letzten 200 m steil hinauf. Dann durchs Ziel – ich freue mich extrem, das ich den Lauf geschafft habe, und mich trotzdem sehr gut fühle im Ziel.
Im Ziel
Dann das Warten auf Rob, er verliert heute hier 18 Min. auf mich. Heute bin ich der Sieger. Seine Enttäuschung trübt unser Erlebnis, aber so ist das Laufen.
Er versteht das Wort «Genuss» nicht beim Genusstrail.
Unser Saisonfinale ist aber der Jungfrau-Marathon in 3 Wochen, und Rob richtet gleich den Blick nach vorne – aber mehr dazu dann im JFM Blog.