Interview Dänu Schori (Teil 1,2&3)

Verfasst von am 2. Juli 2019
 

Teil 1:

Daniel „Dänu“ Schori ist eines der Urgesteine unseres Vereins und gleichzeitig einer der erfolgreichsten Athleten. Der 71jährige zweifache Vater und dreifache Grossvater hat in seiner Karriere 183 Triathlons absolviert und ist dabei 149 Mal auf dem Podest gestanden. Er war Weltmeister auf der Langdistanz und sechsmal Europameister. Der fünffache Hawaii-Teilnehmer ist (fast) pensionierter selbständiger Architekt und verheiratet. Headwind hat sich mit Dänu Schori in seinem Zuhause in Bern getroffen und über 29 Jahre Triathlon, übers Altern und über die Leidenschaft am Sport gesprochen. Los gehts mit dem Teil 1 des Interviews.

Zuoberst auf dem Podest

Dänu, die obligatorische Frage zuerst: Wie bist du zum Triathlon gekommen?

Ich war damals 42ig Jahre alt, demnach war das Ende der Siebzigerjahre. Damals war Julie Moss auf Hawaii kriechend über die Ziellinie gekommen. Das war im Fernsehen zu sehen und das war das Ereignis schlechthin (https://www.youtube.com/watch?v=nVKqFAPdjIAM) . Darauf haben ein paar Kollegen mit welchen ich damals im Eichholz in der Freizeit Fussball gespielt habe gesagt: Das ist der neue Sport! Heinz Glauser, der ein Haus am Murtensee besessen hat, hat daraufhin den Murtenseetriathlon ausgerufen (nicht der heutige Murtensee Triathlon, Anmerkung der Red.). Teilnehmer waren Leute aus der Bau-Branche. Man musste vom Holzsteg im Schilf zu einer ca. 150 Meter entfernten Boie und zurück Schwimmen, anschliessend mit dem Fahrrad rund um den Murtensee und zum Schluss beim Bahnhof von Sugiez eine Runde durch den Wald. Die Schwimmstrecke konnte man fast alles Laufen, weil das Wasser nicht sehr tief war. Ich habe bei der Erstaustragung den zweiten Rang belegt. Der Sieger ist zwar auf der Laufstrecke falsch abgebogen, wäre aber eigentlich allen überlegen gewesen und wurde deshalb trotzdem zum Sieger ausgerufen. Diesen Triathlon gab es drei Jahre lang, die dritte Austragung konnte ich dann selber klar gewinnen. Daraufhin bin ich beim Triathlon geblieben.

Beim Schwimmen hiess es, da musst du Kraul können! Also ging ich mit zwei Arbeitskollegen ins Weyerli Schwimmen. Nach 25-50m mussten wir jeweils aufhören mit Kraul und zum Rückenschwimmen wechseln, da wird schon nicht mehr konnten…

Wie ging es dann los im Verein?

Mein Vater war sogenannter Redlibueb (Velofahrer beim Militär Anm. d. Red.) und er war Mitglied beim Schweizerischen Radbund. Ich war zu Hause zum Essen und da lag ein Magazin des Vereins auf dem Salontisch. Ich schaute mir das Magazin an und auf der hintersten Seite war ein Vermerk von der Abteilung Triathlon des Vereins. Der Triathlonclub war also damals beim Schweizerischen Radbund angegliedert. Ich habe dem Präsidenten, einem gewissen Erwin, angerufen und mich nach den Trainings erkundet. Dieser Erwin fragte mich, wie schnell ich denn einen Kilometer schwimmen könne. Auf meine Antwort, nämlich 18 Minuten, meinte er das sei nicht schlecht, ich könne mal vorbeikommen. Damals war jeweils am Samstag Schwimmtraining im Wiler. Die Schwimmtrainerin die das Training leitete hatte aber ein Abszess im Zahn und so leitete das Training Mischu, ein damals guter Triathlet. Ich bin dann mitgeschwommen so gut es ging, da waren durchaus gute Schwimmer im Training. Unter der Dusche sagte mir dann der Widmer Küre der damals Schweizermeister war Folgendes: Einmal Schwimmen in der Woche machst du keine Fortschritte. Zweimal Schwimmen – da kannst du dein Niveau halten. Dreimal Schwimmen – so wirst du besser! Also nahm ich mir das zu Herzen und schwamm ab diesem Zeitpunkt dreimal in der Woche. Ich fand dann auch heraus wieso der Präsident – dieser Erwin – am Telefon einen etwas zurückhaltenden Eindruck gemacht hatte: Die Abteilung Triathlon des Schweizerischen Radbundes war zu diesem Zeitpunkt dran sich vom Resten abzuspalten. In einem Restaurant in Ostermundigen fand daraufhin eine Zusammenkunft der Triathleten statt. Damals lernte ich auch den Dellsberger Ürsu und den Wepfer Markus – der war auch eine Triathlon-Grösse damals – kennen. An diesem Abend wurde einstimmig entschieden den Schweizerischen Radbund zu verlassen und so war ich also damals bei der Gründung des ersten Triathlonclubs von Bern mit dabei. Der Name war damals „Tri Team Bern

Vollgas

In deiner langen Karriere, welches waren für dich die grössten Erfolge?

Das war sicher die Weltmeisterschaft in Nizza. So ein perfektes Rennen hatte ich in meiner Karriere vielleicht zweimal. Ich kam ins Ziel und der Ofen war aus. Das Rennen hätte vielleicht 300 Meter länger sein können, aber mehr dann sicher nicht. Um Weltmeister zu werden braucht es einfach diese Leistung. Ich habe schon viele Weltmeisterschaften mitgemacht, um zu gewinnen braucht es einfach eine perfekte Leistung. Ein weiterer absoluter Höhepunkt für mich war der Ironman Roth im Jahre 1999. (Damals noch Ironman, heute Challenge, Anm. der Red.) Ich lief als 52jähriger mit einer Zeit von 9h48:41 am damals weltweit grössten Ironman ins Ziel und gewann die AK 50. An der Siegerehrung in einem riesigen Zelt vor Sieben- bis Achttausend Zuschauer wurde ich speziell hervorgehoben wegen der schnellen Zeit für mein Alter. ( https://www.challenge-roth.com/files/challenge/content/Ergebnislisten/1999.pdf ). Das war für mich eine sehr grosse Ehre.

Die Hawaii-Teilnahmen waren auch emotional. Als ich mich erstmals qualifiziert habe im Jahre 1995, machte ich Ende Juli den Ironman Roth und verpasste die Hawaii-Qualifikation um 11 Sekunden. Also machte ich 3 Wochen später noch den Ironman Zürich – der damals noch Euroman hiess – und holte dann zusammen mit Künzler Jüre tatsächlich die Qualifikation für Hawaii. Ich machte also innerhalb von drei Monaten drei Ironman Rennen. Ich war damals so glücklich bei den besten 1800 Triathleten auf Hawaii mit dabei zu sein, dass ich das Rennen einfach genoss und nicht auf den Rang schaute. Das war schon eindrücklich direkt neben den Profis zu trainieren. Das Ereignis ist wohl der Höhepunkt den man im Triathlon erleben kann und es entstanden auch viele wertvolle Bekanntschaften. Bei meiner zweiten Teilnahme hatte ich dann muskuläre Probleme und musste ungefähr 35 Kilometer gehen. Mir der Schlusszeit von 13 Stunden war ich natürlich nicht zufrieden. Bei der dritten Teilnahme wurde ich Achter, ich konnte meine eigenen Erwartungen nicht erfüllen und hatte keinen guten Tag. Ich sprach während dem Rennen mit Heidi (Dänu’s Frau, Anm. der Red.) übers Aufhören, biss mich dann aber fürs Finishershirt trotzdem durch. Bei meiner vierten Teilnahme wurde ich dann Vierter und bei meiner fünften Teilnahme wurde ich schliesslich Zweiter. Das war im Jahr 2006 und da hatte ich aber ziemliches Pech. Ich war sehr gut in Form aber beim ersten Wechsel hat mir ein überfleissiger Helfer meinen Wechselsack zu früh auf den riesigen Haufen von Säcken geworfen. Das Problem war, dass da noch meine Veloschuhe drin waren. Dann mussten wir fünf Personen zusammen all die Säcke durchsuchen um meinen wieder zu finden. Nach gefühlten 30 Minuten hatte ich dann meinen Sack zurück, aber natürlich auch viel Zeit verloren. Ich glaube das hat mir schlussendlich den Sieg gekostet.



Teil 2

In deinen 29 Jahren Triathlon die du miterlebt hast: Welches sind aus deiner Sicht die grössten Unterschiede im Training von den Anfängen gegenüber heute?

Die Unterschiede sind extrem. Training, Ernährung, Material – überall wurden enorme Verbesserungen erzielt. Angefangen beim Training. Der Finne Pauli Kirur war der Erste der eine Polar-Uhr trug und offenbar nach Pulswerten trainierte. Ich selber trainierte einfach mit dem Club: Man hatte gemeinsame Schwimmtrainings, machte gemeinsame Ausfahrten auf dem Velo und ich ging noch mit dem STB laufen. Das waren recht gute Trainings aber nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen basierend. Conconi-Tests gabs schon und die haben wir auch gemacht. Wir haben auch immer im Winter nach der Saison das Blut auf Mangel hin untersucht – das mache ich heute auch noch so. Ich war interessiert und las auch Triathlon-Magazine und Bücher und so stiess ich auf einen Trainer in Regensburg. Ich rief da an und konnte dann zu einem Training gehen. Da mussten wir Morgens zwischen Ein- und Zweiuhr los. Regensburg liegt noch etwa 150 Kilometer weiter als München und die Autobahn dorthin gab es auch noch nicht. Der Trainer hatte sein Handwerk in der DDR gelernt. Er bestimmte unser Lungenvolumen und all die anderen Parameter und leitete daraus ein spezifisches Training für uns ab. Dort macht ich dann schon ziemlich Fortschritte. Da ging ich circa all drei Monate hin, es wurde neu gemessen und entsprechen die Trainings angepasst. Der Trainer hatte aber dann einen tödlichen Bike-Unfall und seine Frau führte das Unternehmen weiter. Das passte mir dann aber nicht mehr so gut und auch wegen den relativ hohen Kosten entschied ich mich gegen eine Weiterführung. Bei der Suche nach einer Alternative in der Schweiz stiess ich dann auf Toni Hasler (Lebenspartner und Trainer von Natascha Badmann, Anm. der Red.). Toni ging zwar nicht so wissenschaftlich vor, hatte aber ein gutes Gespühr. Er organisierte auch Trainingslager, Trainingsweekends und hatte neben Natascha auch viele andere gute Athleten in seinem Team. Toni selber kam vom Rennvelofahren und wir machten viele Kadenz-Übungen, Kraftausdauer etc. Ich profitierte vor Allem in diesem Bereich deutlich. Nach einigen Verletzungen und nach über zehn Jahren verliess ich aber sein Team. Wir pflegen immer noch eine Freundschaft, Heidi (Dänu’s Frau, Anm. der Red.) und Natascha (Badmann) verstehen sich gut, aber wir pflegen den Kontakt nicht mehr bezüglich Trainingsgestaltung. Aus meiner Sicht erfolgte in diesem Trainingsystem die Anpassung an die neusten technischen Entwicklungen nicht in genügendem Ausmass. Ich ging dann zu einem Trainer in München, Christoph Weiss, der in verschiedenen Sportarten sehr namhafte Athleten betreute und begann die Fahrradtrainings nach der Wattmessung auszurichten. Das war ungefähr im 2013. Christoph Weiss hatte in seinem Haus in München Niederdruckkammern wo man Höhentraining simulieren konnte. Hier kam es zu einer sehr engen Zusammenarbeit wo jeweils sehr schell auf die aktuellsten Wattmessungen der Trainings reagiert wurde. Das war mit 700 Franken im Monat relativ teuer. Immerhin waren wir vier Athleten aus der Schweiz und so konnten wir uns wenigstens die Reisekosten teilen. Mir dieser Watt-basierten Trainingsgestaltung machte ich aber beim Radfahren noch einmal deutliche Fortschritte.

Schlussendlich entwickelt sich die Wissenschaft immer weiter und es kommen neue Erkenntnisse hinzu die im Training mit einbezogen werden können. Gerade kürzlich war ich in Magglingen eingeladen. Ich habe einen Hämatokritwert (Anzahl rote Blutkörper im Blut, Anm. der Red.) von 39% was eher tief ist. 50% wäre noch normal und erlaubt. Ich habe dort aber erfahren, dass der Hämatokritwert ohne Betrachtung der Blutmenge nicht entscheidend ist. In Magglingen haben sie im Labor eine Blutmengenmessung entwickelt und da sie noch auf der Suche nach weiteren Sportler quasi als Versuchskaninchen waren konnte ich dort mitmachen. Es wurde festgestellt, dass ich mit 7.5 Liter ein ziemlich hohes Blutvolumen besitze für mein Alter. Somit ist der Hämatokritwert von 39% nicht so tragisch ist wie ich das bisher gedacht habe.

Gibt es aus deiner Sicht Dinge, die sich in den 29 Jahren eher zum Schlechten entwickelt haben?

Früher ging es sicher viel kollegialer zu und her, die Triathlonfamilie war viel kleiner. Wenn du an ein paar Triathlons warst hast du eigentlich alle gekannt. Es gab viel weniger Wettkämpfe, man reiste mehr zusammen im Klub an die Wettkämpfe. Mann muss allerdings auch sehen, dass Triathlon ein Einzelsport ist. Mit den heute vier Distanzen – Sprint, Olympisch, Halb- und Langdistanz – ist es auch schwierig so zusammen zu trainieren, dass es allen gerecht wird. Ich gehe viel alleine Radfahren da es wenig Leute gibt, die so viel trainieren wollen. Beim Laufen macht mir Valentin Belz Pläne. Das Laufen ist auch wo man im Alter am meisten Rückschritte macht. Meine schnellste GP Bern Zeit war 1h02:52 was natürlich heute nicht mehr möglich ist. Verletzungen im Alter machen es schwierig zu vergangenen Leistungsstufen wieder aufschliessen zu können. Der ganze Triathlon ist auch sehr viel professioneller geworden. Konkurrenten gingen früher auch zusammen trainieren, was heute fast nicht mehr denkbar ist.

Welche Dinge haben sich aus deiner Sicht zum Guten entwickelt?

Die Entwicklung im technischen Bereich ist natürlich super. Wenn ich mein erstes Fahrrad mit meinem Aktuellen vergleiche – dazwischen liegen Welten! Die ganze Aerodynamik brachte grosse Vorteile, genau so wie die Bekleidung. Zu Beginn hatten wir noch Baumwollshirts, Mikrofasern kamen erst später. Die ersten Neoprene-Anzüge die wir hatten waren von den Surfern, mit kurzen Hosen. Die waren nicht eng anliegend und eher ein Sack der sich mit Wasser füllte. Heute kann man schlicht mit dem gleichen Aufwand bessere Zeiten erzielen.

Was hast du so für Anekdoten zu erzählen aus all den Jahren Triathlon? Mir fällt da eine sagenumwobene Geschichte mit einer Unterführung ein…

Das Rad mit dem Dänu 1999 die 180km des Ironman Roth in einem 34.8 km/h-Stundenmittel gefahren ist…

(Dänu lacht…) Damals wollten wir ein paar zusammen eine 200km lange Radtour über den Brünig, Glaubenbielen und weiteren Pässen machen. Wir trafen uns auf dem Parkplatz vom Gartencenter bei Allmendingen nähe Muri. Ich war knapp dran und führ mit meinen Velo auf dem Autodach los. Nach ungefähr 50 Meter kam eine Bahnunterführung und da Krachte es. Ich schaute in den Rückspiegel und sah nur noch einen Röhrensalat. Das Velo konnte man auf den Müll werfen…

Eine andere Geschichte war auch als ich auf einer langen Radtour ein Olaf Müller dabei war. Olaf Müller war Olympiastützpunkt-Arzt und hatte auf der Ausfahrt bald nichts mehr zu Essen und auch kein Geld dabei. Plötzlich war er am Ende seiner Kräfte und fragte mich ob ich nicht zum Restaurant auf dem Schallenberg fahren könne und ihm eine Cola holen. Er meinte dann, dass ich ihm an diesem Tag das Leben gerettet habe…

Teil 3

Zurück zur Gegenwart: Wie sieht für dich eine normale Trainingswoche aus?

Ich gestalte mein Training heutzutage selber, ich denke ich habe mittlerweile genug Erfahrung dazu. Worauf ich sehr achte ist, dass es keine monotone Geschichte daraus gibt. Ich befasse mich immer noch sehr stark mit Triathlonliteratur und versuche aufzusaugen was ich Neues entdecke und versuche die Dinge dann auch aus. Ich denke, dass die Suche nach neuen Reizen die Beste Trainingsmethodik ist, egal welche Disziplin. Man hört manchmal Leute die sagen „In dieser Saison habe ich gute Resultate erzielt, ich trainiere jetzt immer so“. Ich glaube aber, wenn der Körper keine neuen Reize mehr erhält, baut er keine Reserven mehr auf. Aus diesem Grund versuche ich immer neue Reize zu setzen. Das erfolgt eher Spontan. Theoretisch gehe ich 3 Mal Schwimmen, 3 Mal Laufen und 3 Mal aufs Velo. Jetzt war ich gerade 3 Wochen Krank. Da ist es mir wichtig, wirklich zur Ruhe zu kommen und nicht zu Trainieren. Diese Ruhe ist mir sehr wichtig wenn der Körper sie braucht. Ich habe anschliessend ein Trainingslager absolviert mit 1200km und 18000 Höhenmeter in 10 Tagen. Das ging dann wieder sehr gut.

Allgemein ist es immer noch so, dass ich sehr viel Lust aufs Training verspüre. Kollegen von mir kommen am Abend nach Hausen und liegen aufs Sofa, aber ich schnüre am Liebsten die Laufschuhe und gehe Laufen. Die Freude an der Bewegung, am Draussen sein, dann geht es mir gut. Die Schwimmtrainings absolviere ich alle bei Berni Zumbrunn, die Lauftrainings habe ich von Valentin Belz und auf dem Velo mache ich sehr viel Intervalltraining. Sei es draussen oder auf der Rolle. Ich gehe mittlerweile auch viel auf die Bahn und diese Einheiten gleichen auch stark dem Intervalltraining. Die Kunst ist es dann trotzdem nicht zuvielen Intervalle zu machen. Zweimal in der Woche und der Rest GA1 oder Kadenztrainings. Die Bahntrainings stellen eigentlich immer auch ein Kadenztraining dar, da mit dem Starrlauf eigentlich fast immer über 100 Umdrehungen pro Minute gefahren wird.

Wo unterscheidet sich dein Training von heuten von dem Training das du früher gemacht hast?

Es ist wissenschaftlicher, früher war es mehr aus dem Bauch raus. Schwimmen musste ich von Grund auf lernen, beim Laufen habe ich mich Anfangs einer Laufgruppe eines Gewissen Mühletalers angeschlossen. Das war im Anzeiger ausgeschrieben und die Trainings waren immer Mittwoch Abends und am Samstag. Der Mühletaler war 100m Spezialist und führte die Gruppen. Wir starteten im Neufeld und gingen jeweils in die Region des Wohlensees. Ich musste damals Anschluss an Trainingsgruppen suchen und finden um besser zu werden.

Was waren deine Stärken am Anfang deiner Karriere und was sind sie heute?

Früher war noch der Fall: Man durfte eine schlechte Disiplin haben. Man konnte es sich erlauben nicht gut Schwimmen zu können und konnte trotzdem noch einen guten Platz erreichen wenn man dann gut Rad fuhr und gut Lief. Früher war ich ein starker Läufer, Velo und Schwimmen waren auch ok. Heute ist es das Laufen, dass schwieriger geworden ist. Allerdings muss man sagen, dass ich auch da in meiner Altergruppe noch konkurrenzfähig bin.

Und was waren am Anfang deine Schwächen, welche sind es heute?

Früher war ich natürlich überall schlecht (Dänu lacht). Mein erster richtiger Triathlon war in der Nähe von Winthertur. Das musste man ca 800m Schwimmen, 36km Radfahren und 7km Laufen. Ich kam damals als Allerletzter zum Wasser raus. Ich konnte die 800m nicht durchgehend im Kraul absolvieren. Ich nahm das letzte Rad das noch da stand und konnte auf der Radstrecke noch ungefähr fünf Leute überholen und auf der Laufstrecke nochmals ungefähr zwei. Schlussrang war dann 7. oder 8. Letzter. Da wusste ich, dass ich im Schwimmen besser werden musste. Nach dem Anschluss im Club habe ich viel profitiert und wurde ein besserer Schwimmer.

Der Ironman 70.3 2018 in Rapperswil hast du mit einem Vorsprung von 1h20min auf den Zweitplatzierten gewonnen. Hast du überhaupt noch Gegner in deiner AK und wo kommen die her?

In Nizza (an den Weltmeisterschaften Anm. der Red.) wird ein Athlet am Start sein, der dieses Jahr eine Altersklasse hochgerutscht ist. Der war letztes Jahr rund 18 Minuten schneller als ich. Allerdings kommte er auch aus Nizza und kennt natürlich die Strecke in- und auswändig. Es wird schwierig! Allgemein gibt es Weltweit schon noch ein paar Leute die noch sehr gut in Form sind, auch wenn die Spitze nicht mehr so breit ist.

Du als alternder Athlet: Wo siehst du das Geheimnis, dass man so lang auf diesem Nivau Wettkampfsport betreiben kann?

Ich weiss nicht ob es ein Rezept dazu gibt. Wahrscheinlich habe ich einfach viel Glück, dass ich gesundheitlich noch so gut in Form bin. Vielleicht ist es auch meine Grundsatz an den Wettkämpfen, dass die Gegner zuerstmal schneller sein müssen um mich zu schlagen. Aber wenn ich am Wettkampf bin will ich gewinnen. Weiter dürfen im Alter sicher auch Kraft- und Rumpfstabilitäts-Übungen nicht vernachlässigt werden, diese werden im Gegenteil sogar immer wie wichtiger. Weiter ist es wichtig differenziert zu trainieren und immer wieder neue Reize mit neuen Methoden zu setzen.

Alle wichtigen Medaillen sortiert nach Schweizer-, Europa- und Weltmeistertitel

Wo siehst du auch Vorteile beim Älterwerden?

Ja! Die Konkurrenz wird kleiner! (lacht) Allerdings rechne ich in Lausanne in meiner Alterskategorie trotzdem mit 30 bis 40 Athleten.

Deine Ziele fürs 2019? Was willst du in Nizza und Lausanne erreichen?

Ich erhoffe mir ein bis drei Podestplätze. Das wird allerdings schwierig weil die Rennen in Nizza und Lausanne nur gerade eine Woche auseinander liegen. Weiter ist es so, dass in Lausanne zwischen dem Sprint-Rennen und dem Rennen über die Olympische Distanz nicht mehr 48 Stunden liegt, sondern nur noch 24 Stunden. Das bedeutet sicher einen Nachteil einem Sportler gegenüber der nur im zweiten Rennen antritt. Und weiter wird auf dem Rad Drafting erlaubt sein, was mir auch nicht entgegenkommt. Da wird es das Ziel sein eine gute Radgruppe zu finden. Die Altersgruppen Athleten sind es sich aber nicht gewohnt im Pulk zu fahren und ich hoffe, dass es nicht zu Unfällen kommt.

Alle Resultate von 29 Jahren Triathlon festgehalten

Was hast du Ziele übers 2019 hinaus?

Das ist schwierig zu sagen. Sicher ist die Grundlage, dass die Familienangehörigen bei guter Gesundheit bleiben. Dann ist das Training eine enorme Belastung für den Körper. Ich werde aber nächstes Jahr komplett aufhören zu Arbeiten und erhoffe mir, dass so der Erholung noch besser Rechnung getragen wird. Vielleicht habe ich dann irgendwann genug vom Wettkampfsport, aber zur Zeit mache ich einfach immer noch sehr gerne Rennen.

So das wars! Danke für das Interview und das letzte Wort gehört dir!

Danke hast du an mich gedacht und es ehrt mich, dass so ein alter Chlous zum Wort kommen darf


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