Interview Dänu Schori – Teil 1

Verfasst von am 16. Mai 2019
 

Daniel „Dänu“ Schori ist eines der Urgesteine unseres Vereins und gleichzeitig einer der erfolgreichsten Athleten. Der 71jährige zweifache Vater und dreifache Grossvater hat in seiner Karriere 183 Triathlons absolviert und ist dabei 149 Mal auf dem Podest gestanden. Er war Weltmeister auf der Langdistanz und sechsmal Europameister. Der fünffache Hawaii-Teilnehmer ist (fast) pensionierter selbständiger Architekt und verheiratet. Headwind hat sich mit Dänu Schori in seinem Zuhause in Bern getroffen und über 29 Jahre Triathlon, übers Altern und über die Leidenschaft am Sport gesprochen. Los gehts mit dem Teil 1 des Interviews.

Zuoberst auf dem Podest

Dänu, die obligatorische Frage zuerst: Wie bist du zum Triathlon gekommen?

Ich war damals 42ig Jahre alt, demnach war das Ende der Siebzigerjahre. Damals war Julie Moss auf Hawaii kriechend über die Ziellinie gekommen. Das war im Fernsehen zu sehen und das war das Ereignis schlechthin (https://www.youtube.com/watch?v=VbWsQMabczM) . Darauf haben ein paar Kollegen mit welchen ich damals im Eichholz in der Freizeit Fussball gespielt habe gesagt: Das ist der neue Sport! Heinz Glauser, der ein Haus am Murtensee besessen hat, hat daraufhin den Murtenseetriathlon ausgerufen (nicht der heutige Murtensee Triathlon, Anmerkung der Red.). Teilnehmer waren Leute aus der Bau-Branche. Man musste vom Holzsteg im Schilf zu einer ca. 150 Meter entfernten Boie und zurück Schwimmen, anschliessend mit dem Fahrrad rund um den Murtensee und zum Schluss beim Bahnhof von Sugiez eine Runde durch den Wald. Die Schwimmstrecke konnte man fast alles Laufen, weil das Wasser nicht sehr tief war. Ich habe bei der Erstaustragung den zweiten Rang belegt. Der Sieger ist zwar auf der Laufstrecke falsch abgebogen, wäre aber eigentlich allen überlegen gewesen und wurde deshalb trotzdem zum Sieger ausgerufen. Diesen Triathlon gab es drei Jahre lang, die dritte Austragung konnte ich dann selber klar gewinnen. Daraufhin bin ich beim Triathlon geblieben.

Beim Schwimmen hiess es, da musst du Kraul können! Also ging ich mit zwei Arbeitskollegen ins Weyerli Schwimmen. Nach 25-50m mussten wir jeweils aufhören mit Kraul und zum Rückenschwimmen wechseln, da wird schon nicht mehr konnten…

Wie ging es dann los im Verein?

Mein Vater war sogenannter Redlibueb (Velofahrer beim Militär Anm. d. Red.) und er war Mitglied beim Schweizerischen Radbund. Ich war zu Hause zum Essen und da lag ein Magazin des Vereins auf dem Salontisch. Ich schaute mir das Magazin an und auf der hintersten Seite war ein Vermerk von der Abteilung Triathlon des Vereins. Der Triathlonclub war also damals beim Schweizerischen Radbund angegliedert. Ich habe dem Präsidenten, einem gewissen Erwin, angerufen und mich nach den Trainings erkundet. Dieser Erwin fragte mich, wie schnell ich denn einen Kilometer schwimmen könne. Auf meine Antwort, nämlich 18 Minuten, meinte er das sei nicht schlecht, ich könne mal vorbeikommen. Damals war jeweils am Samstag Schwimmtraining im Wiler. Die Schwimmtrainerin die das Training leitete hatte aber ein Abszess im Zahn und so leitete das Training Mischu, ein damals guter Triathlet. Ich bin dann mitgeschwommen so gut es ging, da waren durchaus gute Schwimmer im Training. Unter der Dusche sagte mir dann der Widmer Küre der damals Schweizermeister war Folgendes: Einmal Schwimmen in der Woche machst du keine Fortschritte. Zweimal Schwimmen – da kannst du dein Niveau halten. Dreimal Schwimmen – so wirst du besser! Also nahm ich mir das zu Herzen und schwamm ab diesem Zeitpunkt dreimal in der Woche. Ich fand dann auch heraus wieso der Präsident – dieser Erwin – am Telefon einen etwas zurückhaltenden Eindruck gemacht hatte: Die Abteilung Triathlon des Schweizerischen Radbundes war zu diesem Zeitpunkt dran sich vom Resten abzuspalten. In einem Restaurant in Ostermundigen fand daraufhin eine Zusammenkunft der Triathleten statt. Damals lernte ich auch den Dellsberger Ürsu und den Wepfer Markus – der war auch eine Triathlon-Grösse damals – kennen. An diesem Abend wurde einstimmig entschieden den Schweizerischen Radbund zu verlassen und so war ich also damals bei der Gründung des ersten Triathlonclubs von Bern mit dabei. Der Name war damals „Tri Team Bern

Vollgas

In deiner langen Karriere, welches waren für dich die grössten Erfolge?

Das war sicher die Weltmeisterschaft in Nizza. So ein perfektes Rennen hatte ich in meiner Karriere vielleicht zweimal. Ich kam ins Ziel und der Ofen war aus. Das Rennen hätte vielleicht 300 Meter länger sein können, aber mehr dann sicher nicht. Um Weltmeister zu werden braucht es einfach diese Leistung. Ich habe schon viele Weltmeisterschaften mitgemacht, um zu gewinnen braucht es einfach eine perfekte Leistung. Ein weiterer absoluter Höhepunkt für mich war der Ironman Roth im Jahre 1999. (Damals noch Ironman, heute Challenge, Anm. der Red.) Ich lief als 52jähriger mit einer Zeit von 9h48:41 am damals weltweit grössten Ironman ins Ziel und gewann die AK 50. An der Siegerehrung in einem riesigen Zelt vor Sieben- bis Achttausend Zuschauer wurde ich speziell hervorgehoben wegen der schnellen Zeit für mein Alter. ( https://www.challenge-roth.com/files/challenge/content/Ergebnislisten/1999.pdf ). Das war für mich eine sehr grosse Ehre.

Die Hawaii-Teilnahmen waren auch emotional. Als ich mich erstmals qualifiziert habe im Jahre 1995, machte ich Ende Juli den Ironman Roth und verpasste die Hawaii-Qualifikation um 11 Sekunden. Also machte ich 3 Wochen später noch den Ironman Zürich – der damals noch Euroman hiess – und holte dann zusammen mit Künzler Jüre tatsächlich die Qualifikation für Hawaii. Ich machte also innerhalb von drei Monaten drei Ironman Rennen. Ich war damals so glücklich bei den besten 1800 Triathleten auf Hawaii mit dabei zu sein, dass ich das Rennen einfach genoss und nicht auf den Rang schaute. Das war schon eindrücklich direkt neben den Profis zu trainieren. Das Ereignis ist wohl der Höhepunkt den man im Triathlon erleben kann und es entstanden auch viele wertvolle Bekanntschaften. Bei meiner zweiten Teilnahme hatte ich dann muskuläre Probleme und musste ungefähr 35 Kilometer gehen. Mir der Schlusszeit von 13 Stunden war ich natürlich nicht zufrieden. Bei der dritten Teilnahme wurde ich Achter, ich konnte meine eigenen Erwartungen nicht erfüllen und hatte keinen guten Tag. Ich sprach während dem Rennen mit Heidi (Dänu’s Frau, Anm. der Red.) übers Aufhören, biss mich dann aber fürs Finishershirt trotzdem durch. Bei meiner vierten Teilnahme wurde ich dann Vierter und bei meiner fünften Teilnahme wurde ich schliesslich Zweiter. Das war im Jahr 2006 und da hatte ich aber ziemliches Pech. Ich war sehr gut in Form aber beim ersten Wechsel hat mir ein überfleissiger Helfer meinen Wechselsack zu früh auf den riesigen Haufen von Säcken geworfen. Das Problem war, dass da noch meine Veloschuhe drin waren. Dann mussten wir fünf Personen zusammen all die Säcke durchsuchen um meinen wieder zu finden. Nach gefühlten 30 Minuten hatte ich dann meinen Sack zurück, aber natürlich auch viel Zeit verloren. Ich glaube das hat mir schlussendlich den Sieg gekostet.

… Im zweiten Teil sprechen wir mit Dänu über die Veränderungen die er in 29 Jahren Triathlon erlebt hat und vieles mehr!


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