Am Puls der Zeit mit Trackmaxx

Verfasst von am 28. November 2019
 

Volksläufe, Velorennen, Triathlons, Rutschbahnrennen… Alle diese Veranstaltungen wären heute ohne Zeitmessung fast nicht mehr vorstellbar. Jeder Athlet will direkt nach dem Event seine Zeit wissen, will Auskunft über Zwischenzeiten und das Abschneiden seiner Freunde und Konkurrenten. Auch im Zeitalter von Strava ist die Zeitmessung an Sportveranstaltungen ein fester Bestandteil. Der Berner Triathlon arbeitet seit längerem mit der Berner Firma Trackmaxx zusammen.
Wir haben uns mit Reto Zaugg, einem der Inhaber von Trackmaxx ausgetauscht.

Headwind: Hallo Reto. Danke, dass du dir Zeit genommen hast ein wenig mit uns zu plaudern. Stell dich doch unseren Lesern kurz vor.

Reto Zaugg:
Vielen Dank für die Einladung. Kurz umschrieben bin ich ein 40jähriger, sportbegeisterter Technikfreak, aufgewachsen im Emmental und mittlerweilen wohnhaft im schönen Berner Breitenrain-Quartier.

Headwind: Man munkelt, dass sich deine GP-Bestzeit sehen lässt und du auch sonst eine ansprechende Vergangenheit und Gegenwart im Sport hast. Erzähl uns doch etwas über deine sportliche Vergangenheit. Und wie sehen deine sportlichen Aktivitäten heute aus?

Reto Zaugg:
Mein Vater hat mich als Jugendlicher mit seinem Lauf-Virus infiziert und so habe ich mit Laufen begonnen. Zu dieser Zeit war der Powerman Zofingen ein Riesen-Ding und ich habe mein ganzes Erspartes in ein tolles Cannondale-Triathlon-Velo investiert und damit auch ein paar Duathlons absolviert. Im Schwimmbad war ich leider zu ungeduldig, weshalb ich den Triathlon bald wieder verworfen habe. Darum habe ich dann vorwiegend die Laufschuhe geschnürt, habe einige Marathons in Städten wie in den Bergen absolviert sowie in letzter Zeit mit bescheidenem Erfolg aber umso grösserer Begeisterung auch Orientierungslauf gemacht. Zwei grosse Highlights waren die Teilnahme am O-Ringen in Schweden, einem 6-tägigen Orientierungslauf mit rund 20’000 TeilnehmerInnen.

Headwind: Wie bist du dazu gekommen eine Zeitmessungsfirma zu gründen? Wie ist Trackmaxx entstanden?

Reto Zaugg:
Technik und Sport haben mich schon immer fasziniert und Zeitmessung ist eine tolle Kombination von beidem. Der Ursprung von TrackMaxx liegt im Jahre 2010, als ein Kollege die Organisation des kleinen Halbmarathons von Aigle nach Leysin übernommen hat. Er fragte mich als Informatiker, ob ich für diesen Mini-Event nicht die Zeitmessung machen konnte. So habe ich dann eine kleine Zeitmess-Software selber entwickelt und damit die erste Rangliste erstellt, was ganz gut funktioniert hat. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen jedes Jahr ein paar Events dazu. Vor 4 Jahren haben dann Mike Schild und ich beschlossen, das Thema professioneller anzugehen und haben dazu die TrackMaxx gegründet und seither stetig weiterentwickelt.

Headwind: Wie seid ihr heute personell aufgestellt? Wie viele Mitarbeiter habt ihr?

Reto Zaugg:
Fix angestellt im Büro für die Administration, Event-Abwicklung und Geschäftsführung sind wir aktuell 4 Personen. Für die Weekends können wir auf einen Freelancer-Pool von 10 Personen zurückgreifen, welche uns je nach Bedarf unterstützen.

Headwind: Was für verschiedene Aufgaben fallen bei der Zeitmessung eines Events an?

Reto Zaugg:
Das meiste dreht sich um die Datenerfassung, -verarbeitung und -verbreitung. In erster Linie geht es darum, von allen Teilnehmenden die korrekten Daten zu sammeln, weil falsche Daten führen zu falschen Ranglisten. Dazu haben wir eine eigene Online-Anmeldung und einen umfassenden EventManager entwickelt, welche das ganze Datenhandling ermöglichen. Weiter kümmern wir uns um den Druck der Startnummern und um die Konfektionierung der Transponder. Am Renntag legen wir dann unsere Zeitmess-Systeme aus und verbinden diese mit unserem Auswertungs-Server. Dieser verarbeitet die Daten der Zeitmess-Systeme in Echtzeit und verteilt diese wieder an dem Speaker, in die Live-Ranglisten im Internet, per SMS an die Teilnehmenden sowie manchmal auch als Grafik-Einblendungen bei TV-Übertragungen. Die Haupttätigkeit während des Rennens besteht darin, die Systeme zu überwachen und die Daten zu validieren. So dass dann kurz vor der Siegerehrung per Mausklick die korrekte Rangliste ausgedruckt werden kann.

Headwind: Mit dem Frauenlauf und dem Greifenseelauf habt ihr bereits grosse Schweizer Laufveranstaltungen als Kunden. Welche Veranstaltungen kommen als nächstes hinzu?

Reto Zaugg:
Aktuell sind wir gerade dabei, den SwissCityMarathon Lucerne sowie den Luzerner Stadtlauf in unsere Datenbank zu migrieren, beide vertrauen ab nächstem Jahr auf unsere Dienstleistungen. Und als Berner Firma freut uns besonders, dass wir ab 2021 die Zeitmessung des Grand-Prix von Bern übernehmen dürfen.

Headwind: Was sind die grössten Herausforderungen bei der Austragung eines Events? Was fordert euch jeweils am Meisten?

Reto Zaugg:
Die grösste Herausforderung besteht darin, dass man immer nur eine Chance hat es richtig zu machen. Und da die Aufmerksamkeit bei den Ersten am grössten ist, muss es auch von Beginn weg perfekt funktionieren. Deshalb ist die Fehlertoleranz für falsche Konfigurationen und Berechnungen gleich null und es ist sehr zentral, für alle vorhersehbaren Eventualitäten einen Plan bereit zu haben und diesen auch zu testen. So hat man im Idealfall einen ruhigen Event-Tag oder im anderen Fall zumindest etwas Zeit, um sich um die unvorhersehbaren Ereignisse zu kümmern.

Headwind: Hattet ihr auch schon Pannen?

Reto Zaugg:
Kleinere technische Störungen kommen immer wieder vor, aber da die wichtigsten Systeme alle redundant ausgelegt sind, hatten wir eine grosse Panne im Sinne von «gar keine Rangliste» oder eine «komplett falsche Rangliste» glücklicherweise noch nie.

Headwind: Wie sieht die Zukunft von Trackmaxx aus? In welche Richtung wollt ihr euch entwickeln?

Reto Zaugg:
Was die Sportarten und Zeitmesssysteme betrifft, haben wir uns auf Laufsport-Events spezialisiert. Triathlons werden in nächster Zeit wohl die Ausnahme bleiben. Stark weiterentwickeln wollen wir das digitale EventOffice und damit manuelle Arbeiten, welche in der Vor- und Nachbearbeitung anfallen soweit möglich automatisieren. Davon profitiert einerseits der Veranstalter, weil er weniger Aufwand hat und andererseits auch der/die Teilnehmer/in, welche Anmeldung und Datenänderungen einer bestehenden Anmeldung immer mehr im Self-Service-Modus erledigen kann.

Headwind: Wie siehst du die Zeitmessung an Sportevents in Zukunft? Welche Neuerungen werden kommen? Werden eines Tages Plattformen wie Strava die Zeitmessung ganz überflüssig machen?

Reto Zaugg:
Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, bis GPS-Uhren mit integrierter SIM-Karte breit verfügbar sind, welche es den Sportler/innen erlauben, unabhängig von einer Zeitmess-Firma ein Tracking oder eine Live-Rangliste von Segmenten via Strava oder andere Plattformen bereitzustellen. So lange es jedoch leistungsorientierte Kategorien mit Ranglisten und Siegerehrung gibt, wird die klassische Zeitmessung durch diese Systeme nicht verdrängt werden. Weil dazu ist ein GPS-System zu ungenau und auch zu teuer, um eine Abdeckung aller Teilnehmenden zu gewährleisten.

Headwind: Danke für deine Zeit Reto. Dir gehört das letzte Wort!

Reto Zaugg:
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim ganzen Organisationskomitee und den zahlreichen Helfer/innen vom Berner Triathlon bedanken, welche Jahr für Jahr mit viel Herzblut und Engagement diesen tollen Event auf du Beine stellen. Ich freue mich schon jetzt wieder darauf, im nächsten Mai im Hirzenfeld wieder zu einem gelungenen Event beitragen zu dürfen.


Kategorie:   Berichte Headwind

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