Interview Dänu Schori – Teil 2

Verfasst von am 29. Mai 2019
 

Im ersten Teil des Interviews mit Dänu Schori haben wir uns über die Anfänge des Triathlonsportes und über die Entstehungsgeschichte unseres Vereins unterhalten. Heute gehts weiter mit Veränderungen in den letzten 29 Jahren und einigen Anekdoten.

In deinen 29 Jahren Triathlon die du miterlebt hast: Welches sind aus deiner Sicht die grössten Unterschiede im Training von den Anfängen gegenüber heute?

Die Unterschiede sind extrem. Training, Ernährung, Material – überall wurden enorme Verbesserungen erzielt. Angefangen beim Training. Der Finne Pauli Kirur war der Erste der eine Polar-Uhr trug und offenbar nach Pulswerten trainierte. Ich selber trainierte einfach mit dem Club: Man hatte gemeinsame Schwimmtrainings, machte gemeinsame Ausfahrten auf dem Velo und ich ging noch mit dem STB laufen. Das waren recht gute Trainings aber nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen basierend. Conconi-Tests gabs schon und die haben wir auch gemacht. Wir haben auch immer im Winter nach der Saison das Blut auf Mangel hin untersucht – das mache ich heute auch noch so. Ich war interessiert und las auch Triathlon-Magazine und Bücher und so stiess ich auf einen Trainer in Regensburg. Ich rief da an und konnte dann zu einem Training gehen. Da mussten wir Morgens zwischen Ein- und Zweiuhr los. Regensburg liegt noch etwa 150 Kilometer weiter als München und die Autobahn dorthin gab es auch noch nicht. Der Trainer hatte sein Handwerk in der DDR gelernt. Er bestimmte unser Lungenvolumen und all die anderen Parameter und leitete daraus ein spezifisches Training für uns ab. Dort macht ich dann schon ziemlich Fortschritte. Da ging ich circa all drei Monate hin, es wurde neu gemessen und entsprechen die Trainings angepasst. Der Trainer hatte aber dann einen tödlichen Bike-Unfall und seine Frau führte das Unternehmen weiter. Das passte mir dann aber nicht mehr so gut und auch wegen den relativ hohen Kosten entschied ich mich gegen eine Weiterführung. Bei der Suche nach einer Alternative in der Schweiz stiess ich dann auf Toni Hasler (Lebenspartner und Trainer von Natascha Badmann, Anm. der Red.). Toni ging zwar nicht so wissenschaftlich vor, hatte aber ein gutes Gespühr. Er organisierte auch Trainingslager, Trainingsweekends und hatte neben Natascha auch viele andere gute Athleten in seinem Team. Toni selber kam vom Rennvelofahren und wir machten viele Kadenz-Übungen, Kraftausdauer etc. Ich profitierte vor Allem in diesem Bereich deutlich. Nach einigen Verletzungen und nach über zehn Jahren verliess ich aber sein Team. Wir pflegen immer noch eine Freundschaft, Heidi (Dänu’s Frau, Anm. der Red.) und Natascha (Badmann) verstehen sich gut, aber wir pflegen den Kontakt nicht mehr bezüglich Trainingsgestaltung. Aus meiner Sicht erfolgte in diesem Trainingsystem die Anpassung an die neusten technischen Entwicklungen nicht in genügendem Ausmass. Ich ging dann zu einem Trainer in München, Christoph Weiss, der in verschiedenen Sportarten sehr namhafte Athleten betreute und begann die Fahrradtrainings nach der Wattmessung auszurichten. Das war ungefähr im 2013. Christoph Weiss hatte in seinem Haus in München Niederdruckkammern wo man Höhentraining simulieren konnte. Hier kam es zu einer sehr engen Zusammenarbeit wo jeweils sehr schell auf die aktuellsten Wattmessungen der Trainings reagiert wurde. Das war mit 700 Franken im Monat relativ teuer. Immerhin waren wir vier Athleten aus der Schweiz und so konnten wir uns wenigstens die Reisekosten teilen. Mir dieser Watt-basierten Trainingsgestaltung machte ich aber beim Radfahren noch einmal deutliche Fortschritte.

Schlussendlich entwickelt sich die Wissenschaft immer weiter und es kommen neue Erkenntnisse hinzu die im Training mit einbezogen werden können. Gerade kürzlich war ich in Magglingen eingeladen. Ich habe einen Hämatokritwert (Anzahl rote Blutkörper im Blut, Anm. der Red.) von 39% was eher tief ist. 50% wäre noch normal und erlaubt. Ich habe dort aber erfahren, dass der Hämatokritwert ohne Betrachtung der Blutmenge nicht entscheidend ist. In Magglingen haben sie im Labor eine Blutmengenmessung entwickelt und da sie noch auf der Suche nach weiteren Sportler quasi als Versuchskaninchen waren konnte ich dort mitmachen. Es wurde festgestellt, dass ich mit 7.5 Liter ein ziemlich hohes Blutvolumen besitze für mein Alter. Somit ist der Hämatokritwert von 39% nicht so tragisch ist wie ich das bisher gedacht habe.

Gibt es aus deiner Sicht Dinge, die sich in den 29 Jahren eher zum Schlechten entwickelt haben?

Früher ging es sicher viel kollegialer zu und her, die Triathlonfamilie war viel kleiner. Wenn du an ein paar Triathlons warst hast du eigentlich alle gekannt. Es gab viel weniger Wettkämpfe, man reiste mehr zusammen im Klub an die Wettkämpfe. Mann muss allerdings auch sehen, dass Triathlon ein Einzelsport ist. Mit den heute vier Distanzen – Sprint, Olympisch, Halb- und Langdistanz – ist es auch schwierig so zusammen zu trainieren, dass es allen gerecht wird. Ich gehe viel alleine Radfahren da es wenig Leute gibt, die so viel trainieren wollen. Beim Laufen macht mir Valentin Belz Pläne. Das Laufen ist auch wo man im Alter am meisten Rückschritte macht. Meine schnellste GP Bern Zeit war 1h02:52 was natürlich heute nicht mehr möglich ist. Verletzungen im Alter machen es schwierig zu vergangenen Leistungsstufen wieder aufschliessen zu können. Der ganze Triathlon ist auch sehr viel professioneller geworden. Konkurrenten gingen früher auch zusammen trainieren, was heute fast nicht mehr denkbar ist.

Welche Dinge haben sich aus deiner Sicht zum Guten entwickelt?

Die Entwicklung im technischen Bereich ist natürlich super. Wenn ich mein erstes Fahrrad mit meinem Aktuellen vergleiche – dazwischen liegen Welten! Die ganze Aerodynamik brachte grosse Vorteile, genau so wie die Bekleidung. Zu Beginn hatten wir noch Baumwollshirts, Mikrofasern kamen erst später. Die ersten Neoprene-Anzüge die wir hatten waren von den Surfern, mit kurzen Hosen. Die waren nicht eng anliegend und eher ein Sack der sich mit Wasser füllte. Heute kann man schlicht mit dem gleichen Aufwand bessere Zeiten erzielen.

Was hast du so für Anekdoten zu erzählen aus all den Jahren Triathlon? Mir fällt da eine sagenumwobene Geschichte mit einer Unterführung ein…

Das Rad mit dem Dänu 1999 die 180km des Ironman Roth in einem 34.8 km/h-Stundenmittel gefahren ist…

(Dänu lacht…) Damals wollten wir ein paar zusammen eine 200km lange Radtour über den Brünig, Glaubenbielen und weiteren Pässen machen. Wir trafen uns auf dem Parkplatz vom Gartencenter bei Allmendingen nähe Muri. Ich war knapp dran und führ mit meinen Velo auf dem Autodach los. Nach ungefähr 50 Meter kam eine Bahnunterführung und da Krachte es. Ich schaute in den Rückspiegel und sah nur noch einen Röhrensalat. Das Velo konnte man auf den Müll werfen…

Eine andere Geschichte war auch als ich auf einer langen Radtour ein Olaf Müller dabei war. Olaf Müller war Olympiastützpunkt-Arzt und hatte auf der Ausfahrt bald nichts mehr zu Essen und auch kein Geld dabei. Plötzlich war er am Ende seiner Kräfte und fragte mich ob ich nicht zum Restaurant auf dem Schallenberg fahren könne und ihm eine Cola holen. Er meinte dann, dass ich ihm an diesem Tag das Leben gerettet habe…

Im dritten und letzten Teil gehts weiter mit aktuellem Training und einem Ausblick in die Zukunft…


Kategorie:   Berichte Headwind

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